Bericht zum Jahreswechsel 2009

Und wir verbieten Türme…

 

Bericht der Gruppe für Innerrhoden (GFI) zum Jahreswechsel

 

Auf Teilen der Erde verhungern Menschen. Die Kluft zwischen Ländern auf der Schattenseite unserer Welt und den Industriestaaten wird immer unüberwindbarer. Die Erde erwärmt sich laufend. Migrations- und Integrationsprobleme bleiben ungelöst. Innerrhoden ist auf dem Wege zu einer gesichtslosen Agglomerationssiedlung. Und was tun wir? Wir verbieten Türme!

 

Diese Tatsache nach der Annahme der Minarettverbotsinitiative prägt unter anderem auch unsere politische Arbeit fürs 2010.

In unserer Region, war schon vor der eidgenössischen Abstimmung im vergangenen November die Wahrscheinlichkeit höher, dass Überbauungen im Stil mittelländischer Agglomerationen oder Reklameleuchttürme unser Landschaftsbild prägen als die Türme von Minaretten. Die grosse und engagierte Beteiligung der Bevölkerung an der politischen Veranstaltung zu unserem 40-Jahr-Jubiläum mit dem Thema „Bauen in Innerrhoden - wohin?“, hat uns gezeigt, wie brisant Fragen zum Bauen und zur Siedlungsentwicklung in unserem Kanton sind. Wir möchten einen Beitrag zu einer guten Ausgestaltung des neuen Baugesetzes leisten. Uns ist es ein Anliegen, dass es gelingt, neue Entwicklungen und Strömungen im Bauwesen in unser Orts- und Landschaftsbild mit seinen typischen Stilelementen zu integrieren. Dabei stellen sich die immer gleichen Fragen: Welches Wachstum ist sinnvoll für unseren Kanton? Was wollen wir dem unheiligen Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen opfern? Wie kann dem spekulativen Wohnungsbau – oft von auswärtigen Generalunternehmungen, ohne näheren Bezug zu ortsüblichen Traditionen realisiert – Einhalt geboten werden?

 

Wider das Vergessen

Vielmehr als die Aussicht auf Minarette im Landschaftsbild Innerrhodens beschäftigen uns die Probleme die mit der Minarettsverbotsinitiative sehr emotional aufgegriffen wurden, und die mit einem solchen Verbot überhaupt nicht gelöst werden. Die Gefahr, zur Tagesordnung überzugehen ist gross. Deshalb werden wir uns mit der Umsetzung unseres neuen kantonalen Integrationsgesetzes und dessen Verordnung auseinandersetzen. Mit Verwaltungsmassnahmen können die Ängste der Bevölkerung, welche in den Diskussionen um die Minarette geäussert wurden, nicht abgebaut werden. Wir möchten nicht zu einer Radikalisierung des Klimas beitragen, sondern auf lokaler Ebene mithelfen, dass die Integration der ausländischen Bevölkerung gelingen kann.

 

 

Zeit, empört zu sein

Global ist die Thematik von Migration und Integration stark geprägt von der immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen den Entwicklungs- und Schwellenländern auf der einen und der industrialisierten Welt auf der anderen Seite. Diese tiefe Kluft zeigte sich auch deutlich am Klimagipfel in Kopenhagen, wo es nicht gelungen ist, eine verbindliche Regelung der Klimapolitik ab 2013 zu vereinbaren - eine empörende Tatsache, die nachdenklich stimmt. Trotzdem versuchen wir weiterhin, eine umweltfreundliche Politik zu unterstützen und Umweltanliegen in unserer Region aufzugreifen. Die Förderung des öffentlichen Verkehrs und umweltfreundlicher Technologien liegen uns am Herzen.

Patentrezepte gibt es bei all diesen komplexen Themen nicht. Doch wir versuchen, dran zu bleiben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gesegnetes 2010 und hoffen auch in diesem Jahr auf faire politische Auseinandersetzungen.

 

Gruppe für Innerrhoden (GFI)

Martin Pfister, Präsident

 

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